Das Leben ist ein Schauspiel. Ständig schlüpft man in die verschiedensten Rollen. Als Mutter, Schwester, Tochter, Geliebte, Cousine, Arbeitnehmerin, selbstständige Unternehmerin, Freundin, Ehefrau, Schauspielerin, Patientin, Kundin.
2001, als ich gerade Mutter geworden war, habe ich Schauspielunterricht in Paderborn im Atelier der Inspiration genommen. Ach, dass war eine supertolle Zeit. So inspirierend, so aktiv. So krea(k)tiv.
Ich habe der Besitzerin eine Webseite erstellt und dafür habe ich im Gegenzug Schauspielunterricht bekommen. Es ging letztendlich nicht gut aus, ich wurde nach 2 Jahren rausgeschmissen (per Brief), weil ich angeblich immer an ihr Geld wollte. (So sah sie das auch wegen „dem nicht bezahlen“ sondern verrechnen des Schauspielunterrichts mit der Erstellung der Webseite) Dabei wollte ich ihr Geld im Gegenteil mehren, aus keinem anderen Grund schlug ich vor, mehr Plakate und Flyer für unser Theaterstück (Ein Auge drauf werfen) zu drucken, um mehr Besucher (Zahlende) anzuziehen. Leider hat sie das so nicht verstanden. Sie sah das als Angriff auf ihr Portemonnaie. Ich sah ihr Schauspielhaus aus Unternehmersicht. Denn ich war zu dieser Zeit auch jahrelang selbstständig mit Webdesign und Filmplakaten.
Da war unser Auftritt 2002 für die Stadt Paderborn in Köln wo wir quasi als lebende Powerpointpräsentation die Stadt Paderborn und ihr bevorstehenden Aktionen im Laufe des kommenden Jahres (Ab in die Mitte) präsentiert und beworben haben. C. war der Elefant für die Powerwoche, H. war der Pizzabäcker für die italienische Woche und ich war Königin Kunigunde die vor 1000 Jahren gekrönt wurde (Mit Kunigunde, der Frau Heinrichs II., wurde im Jahre 1002 in Paderborn die erste Königin im ostfränkischen Reich und die einzige Regentin in Westfalen überhaupt gekrönt) Leider ging die Förderung (Ab in die Mitte) in diesem Jahr nicht an die Stadt Paderborn.
Ach. Wir haben tolle Sachen gemacht. So hatten wir ein Theaterstück: Ein Auge drauf werfen. In dem wir Sprüche/das Leben wortwörtlich nahmen.
Wie z.B. Wenn man jemandem die Hand gibt oder sein Ohr leiht und nachher gar den Verstand verliert. Wo ist das Fundbüro, in dem man seinen Kopf, sein Herz oder den Verstand wieder bekommt, die verloren gegangen sind? Zum Schluss warfen wir Glotzer (diese süßen Glotzaugen von Trolli) ins Publikum…
Oder als wir uns als Walking Act unter die Weihnachtsfeier einer Firma gemischt haben und z.B. ein Künstler waren, der immer nervös umherging (wegen dem nicht stattfindenden Auftritt) oder ich, die Chips und Süßes verteilte (durfte von der Mitarbeitern aus Hygienegründen nur mit Handschuhen angefasst werden) und währenddessen ich „heimlich“ aus dem Flachmann trank und immer beschwipster wurde (ich wurde tatsächlich „erwischt“ und zu mir wurde dann gesagt, ich will keine Chips ich will deinen Flachmann…), oder meine Schauspielkollegin die mitten auf der Weihnachtsfeier anfing zu putzen! Also ich meine lautstarkes staubsaugen! ..anschließend zog sie sich um und kam dieses Mal mit Brille als entführte Braut, die sich verlaufen hatte zurück! Während wieder eine andere Kollegin als Wahrsagerin den Mitarbeitern auf der Weihnachtsfeier aus der Hand las! …und unsere Leiterin hatte sich als Ökotrophologin ans Büffet gemacht und entnahm Proben der ausgestellten Leckereien.
Au Mann, es hat so viel Spaß gemacht! ..und dafür haben wir noch gutes Geld bekommen!
Im übrigens hatten wir selten richtigen Schauspielunterricht, wir hatten immer ein Projekt an dem wir gearbeitet haben. Das war unser Unterricht.
Vorbei war es, als die Besitzerin der Ateliers, das Geld was wir zusammen für unsere Auftritte eingenommen haben, komplett für sich selbst haben wollte. Und wir hatten auch Kosten um an den Locations zu sein usw. Noch heute bin ich der Meinung, das war nicht OK von ihr. Dazu stehe ich immer noch. Nachdem ich weg war, löste sich Mehrblick übrigens auch auf.


